Wenn Marktführer ins Straucheln geraten – Dynamik in der Werbeindustrie

23. Jan. 2026

Steffen Ullmann

Senior Portfolio Manager – Investment Grade

Marktführerschaft ist kein Selbstläufer – auch in vermeintlich stabilen Branchen wie der Werbeindustrie. Was jahrelang als gefestigte Position galt, kann durch operative Schwäche und strategische Fehlentscheidungen erodieren. Die jüngsten Verschiebungen im Sektor zeigen: Wettbewerbsposition und Kreditqualität sind unmittelbar verknüpft. Für aktive Credit-Investoren ergeben sich daraus sowohl Risiken als auch Chancen.

Über Jahre gefestigte Marktführer können ihre Position schneller verlieren, als viele denken. In der globalen Werbeindustrie – einem Sektor mit rund EUR 750 Mrd. Jahresumsatz – lässt sich derzeit eindrucksvoll beobachten, wie sich die Kräfteverhältnisse verschieben und wie diese Veränderungen unmittelbar in den Kreditmärkten ankommen.

Nach einer langen Phase klarer Hierarchien kam es 2025 zu erheblichen Verschiebungen. Während der bisherige Marktführer mit schwacher operativer Entwicklung kämpft und wichtige Kundenverträge an Wettbewerber verliert, nutzen Konkurrenten die Gelegenheit, um durch gezielte Übernahmen und organisches Wachstum ihre Positionen auszubauen.

 

Veränderung der Wettbewerbspositionen

Zinsdifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnung: Rang basierend auf Umsatz pro Jahr in EUR; Zeitraum 01.01.2015 bis 07.10.2025; eigene Darstellung.

Die Credit-Märkte haben diese Dynamik registriert: Die Spreads des unter Druck stehenden Marktführers weiteten sich seit Jahresbeginn um rund 75 Basispunkte, während zwei aufsteigende Wettbewerber Spread-Einengungen von 15-25 Basispunkte verzeichneten.

Veränderung der Spreads

Zinsdifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, 5Y Credit Default Swap Spreads, Zeitraum: 31.12.2024 bis 31.12.2025; eigene Darstellung.

Solche Verschiebungen wirken direkt auf die Kreditqualität eines Unternehmens. Die Wettbewerbsposition spiegelt dabei die operative Stärke und die Relevanz des Geschäftsmodells wider. Der Verlust einer Marktführerschaft ist selten ein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis eines schleichenden Prozesses, in dem sich strukturelle Schwächen über Zeit verdichten. Diese Veränderungen schlagen sich in Umsatz, Profitabilität und Cashflow nieder und beeinflussen damit unmittelbar die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Zins- und Tilgungsverpflichtungen zu erfüllen.

Diese Dynamik verdeutlicht, warum die Analyse der Wettbewerbsposition zu den zentralen Elementen einer nachhaltigen Kreditanalyse gehört. Es reicht nicht aus, nur auf Kennzahlen oder Ratings zu schauen. Entscheidend ist, wie ein Unternehmen innerhalb seines Marktes positioniert ist, welche strategischen Optionen es besitzt und wie robust sein Geschäftsmodell im Wettbewerb tatsächlich ist.

Gerade im Investment Grade-Bereich konzentrieren wir uns auf die langfristigen Treiber der Bonität. Strukturelle Eigenschaften wie Geschäftsmodell, Marktposition und Wettbewerbsdynamik prägen die Kreditqualität nachhaltig. Veränderungen in diesen Bereichen sind für uns von besonderem Interesse, denn sie bestimmen, welche Emittenten Stabilität wahren und welche an Substanz verlieren.

„Marktführerschaft ist kein statisches Gütesiegel, sondern muss jeden Tag neu verdient werden. In der Werbeindustrie beobachten wir derzeit, wie sich verschleppte strategische Anpassungen an die digitale Transformation unmittelbar in Wettbewerbsposition und Kreditqualität niederschlagen – ein Lehrstück für die Bedeutung qualitativer Analyse im Credit Investing.“

– Steffen Ullmann

Risiken

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Auf Investment-Ebene stehen die Bedürfnisse und das Verständnis unserer Kunden von ESG im Vordergrund. Wir sehen uns als Enabler und Berater haben helfen Ihnen gerne Ihre Vorstellungen in einem Portfolio umzusetzen.

Die Vergütung der Mitarbeiter/innen ist ein Instrument der Geschäftspolitik und wird grundsätzlich von der Geschäftsführung bestimmt. Die Geschäftsführung ist damit für die angemessene Ausgestaltung und Umsetzung des Vergütungssystems sowie für die Vermeidung vergütungsbezogener Risiken verantwortlich. Die Grundsätze der Vergütungspolitik sind dem Aufsichtsrat mindestens einmal jährlich ausführlich zu erläutern. Die Vergütungspolitik gilt auch für die Geschäftsführung der HAGIM. Die Vergütung der Geschäftsführer bestimmt der Aufsichtsrat der Gesellschaft.

Die Vergütungspolitik steht im Einklang mit der Geschäfts- und Risikostrategie, den Zielen und Interessen der Gesellschaft und umfasst Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Die Vergütungsrichtlinien der HAGIM sind in Abstimmung mit der Personalabteilung und Compliance ausgestaltet worden und sind darauf ausgerichtet, dass Kundeninteressen durch die Vergütung relevanter Personen kurz-, mittel- oder langfristig nicht beeinträchtigt werden.

Nachhaltigkeitsrisiken sind definiert als Ereignisse oder Bedingungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert der Investition haben können. Da sich die Vergütung der Portfoliomanager unter anderem an der Wertentwicklung der verwalteten Vermögen, somit also am Wert der Investitionen orientiert, ist ein jederzeitiger Gleichlauf von Kunden- und Mitarbeiterinteressen gewährleistet.

Die HAGIM berücksichtigt PAIs auf Unternehmensebene nicht.

Die Produkte, die von der HAGIM gemanagt und/ oder vertrieben werden und die PAIs berücksichtigen, spielen im Gesamtvolumen der HAGIM eine bisher sehr untergeordnete Rolle, da PAIs bei der deutlichen Mehrzahl an Produkten nicht berücksichtigt werden. Inwieweit künftig eine Berücksichtigung auf Produktebene erfolgen wird, hängt in erster Linie vom Bedarf unserer Investoren ab.

Im Umgang mit Artikel 4 SFDR verfolgt die HAGIM einen Proportionalitätsansatz. Die HAGIM plant PAIs auch auf Unternehmensebene zu berücksichtigen, wenn die Produkte, die PAIs berücksichtigen einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtvolumens ausmachen. Dieser Anteil wurde auf 10% festgelegt. Sobald die HAGIM PAIs auf Unternehmensebene berücksichtigt, wird das in einem Umfang geschehen, den die Datenlage zu diesem Zeitpunkt ermöglicht. Die Datenlage ist u.a. von angrenzenden regulatorischen oder freiwilligen Offenlegungsverpflichtungen für die investierbaren Unternehmen abhängig.

Weiterhin verfolgt die HAGIM sehr genau die regulatorischen Entwicklungen sowie die Entwicklungen am Markt und wird Anpassungen in den Vorgaben oder am Markt berücksichtigen.

Nachhaltigkeitsrisiken im Sinne der Verordnung (EU) 2019 / 2088 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor sind Ereignisse oder Bedingungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert der Investition haben können. Diese Effekte können sich auf die Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage des verwalteten Vermögens auswirken.

Nachhaltigkeitsrisiken fließen als qualitative Bewertung im Rahmen der generellen Analysetätigkeit durch die Entscheidungsträger des Portfolios ein. Im Investmentprozess werden sie innerhalb der fundamentalen Analyse neben anderen Risikofaktoren analysiert, qualitativ bewertet und in die Investitionsentscheidung einbezogen.

Es findet eine Betrachtung gemäß der einzelnen Dimensionen Ökologisches, Soziales und Governance statt („ESG“). Je nach verfügbarer Datenlage können in die Betrachtung Inhalte der nicht-finanziellen Berichterstattung, Bewertungen von ESG-Datenanbietern oder Adverse Media Checks einfließen. Die Betrachtung unterliegt dem Proportionalitätsprinzip und die Beurteilung der Wesentlichkeit liegt beim Entscheidungsträger des Portfolios.

Die Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene in Bezug auf Nachhaltigkeitsrisiken und die damit einhergehenden Vorgaben für die Finanzindustrie werden laufend beobachtet. Es kann aufgrund von Änderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der Verbesserung der Datenlage und den zur Verfügung stehenden Methoden zu Anpassungen bei dieser Strategie kommen.