Wo Ölpreisrisiko im Credit tatsächlich bepreist wird

9. März 2026

Steffen Ullmann

Senior Portfolio Manager – Investment Grade

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten, insbesondere rund um Iran, hat den Ölmarkt erneut in den Mittelpunkt gerückt – doch für Kreditanleger ist die eigentlich relevante Frage eine andere: Wo wird Ölpreisrisiko im Credit überhaupt kompensiert? Die Antwort ist weder trivial noch intuitiv – und hat direkte Konsequenzen für die Portfoliokonstruktion.

Ölpreis im Spannungsfeld geopolitischer Entwicklungen

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten – insbesondere rund um Iran – hat den Ölmarkt erneut in den Mittelpunkt gerückt. Risiken für Förderanlagen, Transportrouten und den Ölfluss durch strategische Meerengen dominieren die kurzfristige Preisbildung. Parallel dazu bleibt Venezuela ein strukturell relevanter Unsicherheitsfaktor auf der Angebotsseite.

In solchen Phasen gilt Energy-Credit reflexartig als direkter Proxy für Ölpreisrisiken. Für Kreditinvestoren ist jedoch die entscheidende Frage nicht, ob Ölpreise steigen oder fallen – sondern wo Ölpreisexposure im Credit tatsächlich durch eine zusätzliche Risikoprämie vergütet wird. Diese Unterscheidung ist keine Nuance, sondern die Voraussetzung für eine saubere und zielgerichtete Credit-Allokation.

Unsere empirische Analyse auf Basis eines 10-Jahres-Zeitraums (März 2016 bis März 2026) zeigt: Die Fähigkeit, Ölpreisrisiko im Credit steuerbar zu machen, hängt nicht primär vom Sektor ab – sondern vom Marktsegment.

 

EUR Investment Grade und High Yield: Kein verlässlicher Ölpreiskanal

Im EUR Investment Grade-Segment lässt sich über den gesamten Beobachtungszeitraum kein statistisch belastbarer Zusammenhang zwischen dem Ölpreisniveau und der zusätzlichen Kreditrisikoprämie für Energie-Emittenten nachweisen. Weder bei historisch hohen noch bei niedrigen Ölpreisen zeigen die Excess Spreads von EUR IG Energy eine systematische Anpassung.

Der Grund liegt in der Struktur der Emittenten selbst: Große, integrierte Ölkonzerne absorbieren Ölpreisschwankungen überwiegend über Eigenkapitalmechanismen – flexible Ausschüttungspolitik, Aktienrückkäufe oder angepasste Investitionsplanung. Die Kreditqualität bleibt davon weitgehend unberührt.

EUR IG Energy ist damit kein geeignetes Instrument, um Ölpreisrisiken im Credit zu allokieren oder zu steuern.

Energie-Exzess-Spread im EUR Credit

Zinsdifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg; eigene Berechnungen; Zeitraum: 04.03.2016–04.03.2026. Definitionen: EUR IG Energy Excess Spread = Euro Aggregate Energy Index (I03142 Index) relativ zum Euro Aggregate Corporate ex Financials Index (LECFTREU Index); EUR HY Energy Excess Spread = Pan-European High Yield Energy Index (I05339EU Index) relativ zum Pan-European High Yield Index (LP01Treu Index). Ölpreis: Generic 1st ‘CL’ Future (CL1 COMB Comdty). Eigene Darstellung.

Beobachtung 2 – EUR High Yield Energy: Zustandsabhängige Bepreisung

Im EUR High Yield-Segment ergibt sich ein differenzierteres Bild. Historisch zeigt sich keine lineare Korrelation zwischen Ölpreis und Risikoprämie, sondern eine konvexe „Hockey-Stick“-Struktur:

Solange der Ölpreis oberhalb von rund USD 55–60 pro Barrel notiert, bleibt die zusätzliche Kreditrisikoprämie für Energy-Exposure begrenzt und wenig differenziert. Erst unterhalb von etwa USD 50, also in ausgeprägten Stressphasen, nimmt sowohl das Spreadniveau als auch die Streuung zwischen den Emittenten merklich zu.

Ölpreisrisiken werden im EUR HY Energy-Segment also nicht kontinuierlich vergütet, sondern zustandsabhängig. Das reflektiert die hohe Heterogenität des Segments: Ölpreisschocks schlagen sich selektiv und mit Verzögerung in einzelnen Emittentenprofilen nieder – eine systematische Steuerung der Ölpreisexposures ist damit erschwert.

Emerging Markets Energy: Strukturell und konsistent bepreist

Ein deutlich anderes Bild zeigt sich im Emerging Markets-Segment. Hier besteht ein robuster, näherungsweise linearer Zusammenhang zwischen dem Ölpreisniveau und der zusätzlichen Kreditrisikoprämie für Energy-Exposure – und das über das gesamte Preisspektrum hinweg, ohne Bindung an einen einzelnen kritischen Schwellenwert.

Mit sinkendem Ölpreis steigen sowohl das Spreadniveau als auch die Bandbreite der Excess Spreads im EM Energy-Segment deutlich an. Der Effekt ist konsistent und gilt sowohl für Investment Grade- als auch für High Yield-Emittenten aus dem EM-Universum.

Der strukturelle Unterschied erklärt sich über die Geschäftsmodelle: Viele EM Energy-Emittenten sind Upstream-orientiert – ihre Cashflows hängen unmittelbarer und direkter vom Ölpreis ab als die Cashflows integrierter Konzerne. Staatliche oder staatsnahe Emittenten klassischer Förderländer verstärken diese Sensitivität zusätzlich, da Öleinnahmen unmittelbar die fiskalische Kapazität und damit die Kreditwürdigkeit beeinflussen.

Energie-Exzess-Spread im EM Credit

Zinsdifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg; eigene Berechnungen; Zeitraum: 04.03.2016–04.03.2026. Definitionen: EM Energy Excess Spread = EM USD Aggregate Energy Index (I29051US Index) relativ zum EM USD Aggregate Index (EMUSTRUU Index). Ölpreis: Generic 1st ‘CL’ Future (CL1 COMB Comdty). Eigene Darstellung.

Implikationen für die Credit-Allokation

Energy-Exposure ist nicht gleich Ölpreis-Exposure. Wer über eine sektorale Energy-Allokation automatisch Ölpreisrisiken steuert, unterliegt einem strukturellen Missverständnis – zumindest, wenn der Fokus auf EUR-denominierten Märkten liegt.

Die empirischen Befunde legen drei klare Schlussfolgerungen nahe:

  1. EUR IG Energy: Kein steuerungsfähiger Ölpreiskanal. Ölpreisschwankungen reflektieren sich nicht konsistent in Credit-Spreads. Geeignet für defensive Credit-Allokation, nicht für gezielte Ölpreispositionierung.
  2. EUR HY Energy: Bedingt steuerbar, mit Einschränkungen. Eine ölpreisrelevante Risikoprämie entsteht primär in Stressphasen. Zustandsabhängige Bepreisung erschwert die Vorhersagbarkeit und schränkt die Eignung als gezieltes Allokationsinstrument ein.
  3. EM Energy: Konsistentes, investierbares Ölpreisrisiko. Der robuste lineare Zusammenhang zwischen Ölpreis und Spreadniveau ermöglicht eine gezielte Steuerung des Ölpreisexposures im Credit-Portfolio – über Regionen und Ratings hinweg.

Für institutionelle Anleger, die Ölpreisrisiken im Credit entweder gezielt eingehen oder bewusst reduzieren möchten, führt der Weg über das EM Energy-Segment. Die Segmentauswahl, Förderung vs. Distribution, ist die eigentlich entscheidende Allokationsdimension – nicht die sektorale Zuordnung.

 

„Ölpreisrisiken lassen sich im Credit nur dort gezielt steuern, wo der Markt sie tatsächlich vergütet – und das ist nicht dort, wo man es zuerst vermuten würde.“

– Steffen Ullmann

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Nachhaltigkeitsrisiken sind definiert als Ereignisse oder Bedingungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert der Investition haben können. Da sich die Vergütung der Portfoliomanager unter anderem an der Wertentwicklung der verwalteten Vermögen, somit also am Wert der Investitionen orientiert, ist ein jederzeitiger Gleichlauf von Kunden- und Mitarbeiterinteressen gewährleistet.

Die HAGIM berücksichtigt PAIs auf Unternehmensebene nicht.

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Im Umgang mit Artikel 4 SFDR verfolgt die HAGIM einen Proportionalitätsansatz. Die HAGIM plant PAIs auch auf Unternehmensebene zu berücksichtigen, wenn die Produkte, die PAIs berücksichtigen einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtvolumens ausmachen. Dieser Anteil wurde auf 10% festgelegt. Sobald die HAGIM PAIs auf Unternehmensebene berücksichtigt, wird das in einem Umfang geschehen, den die Datenlage zu diesem Zeitpunkt ermöglicht. Die Datenlage ist u.a. von angrenzenden regulatorischen oder freiwilligen Offenlegungsverpflichtungen für die investierbaren Unternehmen abhängig.

Weiterhin verfolgt die HAGIM sehr genau die regulatorischen Entwicklungen sowie die Entwicklungen am Markt und wird Anpassungen in den Vorgaben oder am Markt berücksichtigen.

Nachhaltigkeitsrisiken im Sinne der Verordnung (EU) 2019 / 2088 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor sind Ereignisse oder Bedingungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert der Investition haben können. Diese Effekte können sich auf die Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage des verwalteten Vermögens auswirken.

Nachhaltigkeitsrisiken fließen als qualitative Bewertung im Rahmen der generellen Analysetätigkeit durch die Entscheidungsträger des Portfolios ein. Im Investmentprozess werden sie innerhalb der fundamentalen Analyse neben anderen Risikofaktoren analysiert, qualitativ bewertet und in die Investitionsentscheidung einbezogen.

Es findet eine Betrachtung gemäß der einzelnen Dimensionen Ökologisches, Soziales und Governance statt („ESG“). Je nach verfügbarer Datenlage können in die Betrachtung Inhalte der nicht-finanziellen Berichterstattung, Bewertungen von ESG-Datenanbietern oder Adverse Media Checks einfließen. Die Betrachtung unterliegt dem Proportionalitätsprinzip und die Beurteilung der Wesentlichkeit liegt beim Entscheidungsträger des Portfolios.

Die Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene in Bezug auf Nachhaltigkeitsrisiken und die damit einhergehenden Vorgaben für die Finanzindustrie werden laufend beobachtet. Es kann aufgrund von Änderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der Verbesserung der Datenlage und den zur Verfügung stehenden Methoden zu Anpassungen bei dieser Strategie kommen.