
Steffen Ullmann
Senior Portfolio Manager Multi Asset Credit & Investment Grade
Portfolio Management Credit
Statt geopolitischer Risiken oder Wachstumssorgen prägt derzeit eine andere Entwicklung die Credit-Märkte: die zunehmende Divergenz zwischen staatlichen und unternehmerischen Bilanzen. Während viele Staaten ihre Verschuldung weiter ausweiten, reagieren Unternehmen auf höhere Finanzierungskosten mit Bilanzdisziplin und Schuldenabbau.
Genau diese Differenzierung erklärt aus unserer Sicht, warum Corporate Credit trotz eines anspruchsvolleren Makroumfelds bemerkenswert stabil bleibt und Risikoprämien vielerorts nahe historischer Tiefstände handeln.
Corporate Credit ignoriert die Risiken nicht, es gewichtet sie nur anders. Staaten werden zunehmend für eine ausufernde Fiskalpolitik und eine steigende Verschuldung abgestraft. Unternehmen dagegen profitieren vielerorts von disziplinierter Bilanzpolitik und sinkender Verschuldung. Entsprechend handeln Risikoprämien in vielen Credit-Segmenten weiterhin nahe historischer Tiefstände, obwohl insbesondere langfristige Staatsanleiherenditen zuletzt wieder unter Druck geraten sind.
Ein zentraler Grund dafür liegt in der zunehmend kritischen Sicht des Marktes auf die fiskalische Entwicklung vieler Staaten. Die Erwartung wächst, dass zahlreiche Regierungen ihre Haushalte weder konsolidieren wollen, noch können und die Staatsverschuldung strukturell weiter steigen wird.
Betrachtet man die Verschuldungsquoten von Staaten und Unternehmen (Non-Financials) in den entwickelten Märkten, zeigt sich zunächst ein ähnliches Bild: Nach den Höchstständen während der Pandemie haben beide Sektoren ihre Verschuldung reduziert. Seit dem starken Zinsanstieg ab 2023 ist jedoch eine klare Divergenz erkennbar. Unternehmen entschulden sich weiter, während die Staatsverschuldung erneut zunimmt (siehe Grafik 1). Die jüngsten politischen Entwicklungen und fiskalischen Prognosen sprechen derzeit nicht für eine Umkehr dieses Trends.
Unternehmen entschulden. Staaten nicht.
Gesamtverschuldung privater und öffentlicher Sektor, in % des BIP

Quelle: Bloomberg, Bank of International Settlement; Staaten ( BIS Advanced Economies Credit to General Govt Nominal Adjusted for Breaks % GDP, CPNF5ROG Index) und Unternehmen (BIS Advanced Economies Credit to Non Financial Corps Adjusted for Breaks % GDP, CPNF5RNG Index); Stand: 31.03.2008 bis 30.09.2025.
Die Konsequenz: Anleger verlangen zunehmend eine höhere Risikoprämie für Staatsanleihen, insbesondere am langen Ende der Zinskurve.
Auch in Emerging Markets zeigt sich dasselbe Muster mit umgekehrten Vorzeichen. Der private Sektor weist traditionell höhere Verschuldungsgrade auf, hat diese aber seit 2020 sukzessive abgebaut. Staaten hingegen verschulden sich weiter. Gleicher Trend, andere Ausgangslage.
Unternehmen entschulden. Staaten nicht.
Gesamtverschuldung privater und öffentlicher Sektor, in % des BIP

Quelle: Bloomberg, Bank of International Settlement; Staaten (BIS Emerging Economies Credit to General Govt Nominal Adjusted for Breaks % GDP, CPNF4TOG Index) und Unternehmen (BIS Emerging Economies Credit to Private Non Financial Sector Adjusted % of GDP, CPNF4TPG Index); Stand: 31.03.2008 bis 30.09.2025.
In einem Umfeld strukturell höherer Finanzierungskosten bevorzugen wir Schuldner, die Kapital diszipliniert einsetzen und ihre Bilanzen aktiv konsolidieren. Entsprechend bleiben wir für Corporate Credit in Developed und Emerging Markets konstruktiv.
Wie bereits im November bei Bloomberg angemerkt: „Regierungen machen einfach weiter – und nichts passiert. Unternehmen hingegen haben ihre Hausaufgaben gemacht: Sie haben Schulden reduziert und bleiben kostendiszipliniert.“¹
Quellen:
¹ https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/bondmaerkte-kippen-warum-investoren-konzernen-mehr-trauen-als-staaten-246084
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