
Steffen Briel
Senior Portfolio Manager Multi Asset Credit & Investment Grade
Portfolio Management Credit
Die deutschen Automobilhersteller konnten ihre Profitabilität bislang nicht stabilisieren. Noch gleichen die meisten das steigende Geschäftsrisiko mit robusten Bilanzen aus – diese Zeit müssen sie jedoch für strukturelle Anpassungen nutzen. Der Automobilsektor wird damit zunehmend zur Credit-Story: Cashflow, Bilanzqualität und Marktzugang rücken in den Vordergrund. Die Risikoprämien sind aus unserer Sicht nur auf den ersten Blick attraktiv. Wir bleiben daher untergewichtet und selektiv.
Gleiche Probleme – Gleiche Ursachen
„Die jüngsten Nachrichten aus der Automobilindustrie sind alarmierend.“ So hieß es in unserem Credit Pulse „Automobilsektor: Herausfordernde Zeiten“ vom Oktober 2024. Damals hatten die führenden OEMs, insbesondere aus Deutschland, ihre Prognosen für das Geschäftsjahr nach unten korrigieren müssen.
Zwei Jahre später stellt sich ein Déjà-vu ein, denn die Ursachen sind dieselben: schwaches China, zu hohe Kosten, neuer Wettbewerb. Hinzu kommen seit 2025 die US-Zölle.
Anders als 2024, als nach den Rekordgewinnen der Nach-Pandemie-Jahre noch von einer Normalisierung die Rede sein konnte, ist es den deutschen OEMs bislang nicht gelungen, ihre Profitabilität zu stabilisieren. Aus Kreditgeberperspektive greift der Blick auf die Profitabilität allein jedoch zu kurz: In einigen Fällen ist sie durch nicht zahlungswirksame Wertminderungen belastet – eine Folge der umgesetzten und angekündigten Restrukturierungsprogramme. Zudem verfügen die meisten Hersteller dank ihrer robusten Finanzdienstleistungssparten weiterhin über eine positive Nettoliquidität und halten dauerhaft hohe Liquiditätsreserven vor.
Profitabilität der OEMs

Quelle: Bloomberg, Trailing 12 Monate EBIT Marge, Unternehmensdaten, eigene Darstellung, Zeitraum: 2009 bis 30.06.2026.
Vom Gewinnwachstum zur Credit-Story
Die in den meisten Fällen noch soliden Bilanzen geraten jedoch durch die anhaltend schwache operative Entwicklung und die langfristigen strukturellen Herausforderungen der Branche unter Druck. Regulierung, Wettbewerb und technologischer Wandel erhöhen nach unserer Einschätzung das Geschäftsrisiko im Automobilsektor deutlich. Noch können die meisten Hersteller dieses Risiko mit ihrer Bilanzstärke ausgleichen. Den so gewonnenen Spielraum sollten die OEMs jedoch für die nötigen Anpassungen nutzen, statt sich darauf auszuruhen. Ohne strukturelle Verbesserung der Wettbewerbsposition wird sich die operative Entwicklung zunehmend in schwächeren Bilanzen und damit in einer geringeren Kreditqualität niederschlagen.
Damit wird der Automobilsektor zunehmend zur Credit-Story: Statt Gewinnwachstum und Chancen rücken Cashflow und Bilanzqualität in den Vordergrund. Sinnbildlich dafür schied Volkswagen zum 21. September 2026 aus dem Euro Stoxx 50 aus.
Automobilsektor: Risikoprämien sind nur auf den ersten Blick attraktiv

Quelle: Bloomberg, Automotive ( Bloomberg Euro-Aggregate Automotive Index), Industrial BBB (Bloomberg Euro-Aggregate: Industrials Baa Index), eigene Berechnung; Stand 18.09.2026.
Aktuell liegt der Spread des Automotive-Index rund 15 Basispunkte über dem des Corporate-Non-Financials-Index. Im aktuellen Umfeld historisch enger Spreads wirkt dieses Niveau attraktiv. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass sich die Risikoprämie relativ zum Gesamtmarkt in den vergangenen zwei Jahren kaum verändert hat; absolut hat sie sich seit 2024 auf einem höheren Niveau festgesetzt. Zudem blendet diese Betrachtung die zunehmende Verschlechterung der Kreditqualität im Sektor aus. Angesichts des weiteren Refinanzierungsbedarfs und des negativen operativen Trends bleiben wir im Sektor untergewichtet und setzen selektiv auf einzelne OEMs.
Risiken
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